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Criminale 2005
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Die Polizei war machtlos
Sie trafen sich in einer etwas abgeschiedenen Gegend. Genauer im Hohensauerlandkreis in der Bundesrepublik Deutschland. Schwere Kriminelle, Serienkiller, Massenmörder, Triebtäter, alles was das Strafgesetzbuch zu bieten hat – die größten Verbrecher der Kriminalgeschichte - und die Polizei schaute tatenlos zu.
Vom 27. April bis zum 1. Mai 2005 machte eine illustre Runde den Hohensauerlandkreis in Nordrhein-Westfalen in der BRD unsicher. Die Passion dieser Damen und Herren ist das Verbrechen. Ungehindert erschießen, erstechen, erwürgen, vergiften sie ihre zahlreichen Opfer; begehen begeistert ihre Verbrechen und niemand gebietet ihnen Einhalt. Keiner aus dieser Gesellschaft wurde jemals für seine kriminellen Taten bestraft. Die Criminale, das größte deutschsprachige Krimifestival, machte es möglich. Das jährliche Treffen der besten deutschsprachigen Kriminalschriftstellerinnen und -schriftsteller war ein großer Erfolg für Autoren und Organisatoren. Dieses Jahr trafen sich an die 170 Autorinnen und Autoren. Auch Wien war mit Sabine Naber, Stefan Slupetzky und Günther Zäuner vertreten. Fast alle Teilnehmer sind auch Mitglieder des Syndikats, der Vereinigung deutschsprachiger Kriminalautoren. Im Zuge dieses Festivals fanden eine Reihe von unterschiedlichsten Lesungen für ein wahrhaft krimibegeistertes Publikum mit ausgefallenen Locations statt. Vom Amtsgericht bis zum Schloß. Die Gemeinden des Hohensauerlandkreises konnten in diesen Tagen von den grausigsten Verbrechen nicht genug bekommen. Doch nicht nur für Erwachsene gab es genügend Programm. Auch Kinder und Jugendliche kamen nicht zu kurz. So schrieben die Organisatoren einen Wettbewerb für Schulen aus. Zum einen, um die Kids zum Lesen zu animieren, zum anderen vielleicht künftige Krimischriftsteller zu finden. Die besten Kriminalgeschichten wurden ausgezeichnet und in einem Taschenbuch veröffentlicht. War es bei einem zehnjährigen Mini-Edgar Wallace noch die Schulkatze des Schulwarts, die entführt wurde und der Täter entpuppte sich als der Schuldirektor persönlich, der das Tierchen nicht leiden konnte, stieg in der Oberstufe die Mordrate an Mathematiklehrern enorm. Auch die Polizei Nordrhein-Westfalens bot für den Krimiautoren einiges. So durften sie an einem Schießtraining teilnehmen und selbst abdrücken. Da zeigte sich dann bei einigen, dass zwischen Theorie und Praxis mitunter Welten liegen können. Vom PC am Schreibtisch aus einen Schuss abzufeuern und voll ins Schwarze zu treffen, heißt noch lange nicht, plötzlich mit einer Waffe in der Hand, ebenso ein souveräner Schütze wie der Romanheld zu sein. Höhepunkt jeder Criminale ist der Tango Criminale, die Abschlussveranstaltung mit den Preisverleihungen für verschiedene Kategorien, wo auch der Glauser, gewissermaßen der Oscar für Kriminalschriftsteller vergeben wird. Benannt nach dem berühmten Schweizer Krimischriftsteller Friedrich Glauser. Wer sahnte u.a. ab? Ein Wiener. Für seinen Debütroman "Der Fall des Lemmig" (Rowohlt TB Verlag) erhielt Stefan Slupetzky einen Glauser. Die Grande Dame des deutschsprachigen Kriminalromans, Ingrid Noll, wurde für ihr Lebenswerk ausgezeichnet. Danach gab es Party. Ach ja und wer brachte Stimmung in den Laden? Soviel Patriotismus sei gestattet. Natürlich wieder die Wiener. Mit ihrem Schmäh brachte die Mnozil Brass Band die Halle zum Toben. G. Z.
Von Günther Zäuner sind bisher erschienen: "Kokoschanskys Instinkt", Freiburg i. Br., 2003, Schmidt-Verlag "Kokoschanskys Revanche", ebenda, 2004 "Kokoschanskys Schachzug", ebenda, 2004 "Kokoschanskys Dämon", demnächst
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