Aus dem Veteranenwinkerl

Einer von vielen...

Zum Gedenken an Leopold Neudecker, Polizeibeamter i. R.
Jetzt werden sich viele Fragen, wer war bitte Leopold Neudecker. Nun, ich möchte die werte Leserin und den werten Leser nicht auf die Folter spannen. Meine Schwiegereltern sind vor einiger Zeit in das Pensionistenwohnheim „Leopoldau“ im 21. Wiener Gemeindebezirk übersiedelt. Bei der Wohnungsräumung fanden wir einige historische Dokumente des Vaters meiner Schwiegermutter, Herrn Leopold Neudecker, geboren am 21.11.1896 in Wien. Er diente vom 13.12.1918 bis 30.9.1926 bei der Stadtschutzwacheabteilung Floridsdorf, vorerst als dauernd angestellter Unterbeamter bis 31. Dezember 1920 und ab 1. Jänner 1921 als definitiver Staatsbeamter ohne Rangklasse. Dazu gibt es auch ein Ernennungsdekret, ausgestellt von der BPD Wien, vom 25.11.1921, welches vom damaligen Polizeipräsidenten Dr. Schober unterzeichnet ist.

Jahresgehalt: 6.078 Euro. Ein weiteres Dokument möchte ich der werten Leserschaft auch nicht vorenthalten. Es ist ein Jahresgehaltsbescheid vom 1. September 1924. Polizeidirektion Wien, Zl. 2366/10:
„Überleitung nach dem Gehaltsgesetz 1924. An Herrn Neudecker Leopold, Stadtschutzwachmann der Stadtschutzwache-Abteilung Floridsdorf.
In Durchführung des Gesetzes vom 18. Juli 1924, BGBl. Nr. 245 (Gehaltsgesetz) wurde Ihre Überleitungsdienstzeit mit 6 Jahren 4 Monaten ermittelt.
Gleichzeitig werden Sie auf Grund des § 84, Absatz 5 dieses Gesetzes zum Beamten der 9. Dienstklasse des Stadtschutzwachdienstes ernannt.
Ihr Diensteinkommen beträgt vom 1. Mai 1924 angefangen an Gehalt jährlich – 17,825.000 und an Ortszuschlag jährlich 2,673.760 Kronen . Überdies erhalten Sie vom 1. Mai 1924 angefangen einen Haushaltszuschuss jährlicher 600.000 Kronen sowie für Kinder 1 eine Kinderzulage jährlicher 600.000 Kronen.“
Es ergab sich nun die Frage, wie viel hat 1924 ein Stadtschutzwachmann in Euro verdient. Eine Anfrage bei der Statistik Austria brachte „Licht ins Dunkel.“
10.000 Kronen hatten 1924 einen Wert von 3,41 Euro. Das jährliche Gehalt betrug somit ca. 6.078 Euro, der Ortszuschlag 911 Euro, der Haushaltszuschuss 204 Euro und die Kinderzulage für 1 Kind 204 Euro.

Web-Tipp www.ipa.at Soviel zur damaligen Gehaltssituation. Über „die Entwicklung der Polizei und Gendarmerie nach dem Zusammenbruch der Monarchie“, zusammengestellt von Gerhard Salzinger, habe ich einen ausführlichen und sehr interessanten Bericht auf der IPA Homepage (International Police Association) gefunden. Er kann unter www.ipa.at/ipaplus/polgendmonarch.htm im Internet nachgelesen werden.
Leopold Neudecker dürfte sich ab den 8.5.1926 für die Kriminalpolizei interessiert haben. Jedenfalls wurde mir von meiner Schwiegermutter ein Instruktionsbuch, Herausgegeben im Dezember 1920 von der Polizeidirektion Wien, übergeben.
Es handelt sich um einen Leitfaden zum Gebrauche für die Sicherheitsorgane. Verfasser Hofrat Dr. Dehmal.
Im Vorwort steht folgendes:
„Das vorliegende Buch ist das zweite in der Folge der Instruktionsbücher, welche von der Polizeidirektion in Wien zum Gebrauche für ihre Organe herausgegeben werden.
Es befasst sich mit dem wichtigsten Gebiete der polizeilichen Tätigkeit - mit der Kriminalpolizei. Es ist keineswegs als ein System der Kriminalistik gedacht, sondern soll lediglich das enthalten, was ein Polizeibeamter - insbesondere der kriminalistisch tätige Beamte - wissen muß, um seiner schwierigen Aufgabe gerecht zu werden…“
Weiter auf Seite IV:
„Sollte es gelingen, mit Hilfe des vorliegenden Leitfadens die polizeilichen Organe derart zu schulen, dass sie imstande sind, dem Staatsanwalt nicht nur ein möglichst erschöpfendes Material zu liefern, sondern ihm dieses auch in der für seine Anträge erforderlichen Form zu bieten, so wäre damit auch die Möglichkeit einer ausgiebigen Entlastung der Untersuchungsrichter gegeben, ein Ziel, welches gerade in der gegenwärtigen Zeit, in der die Wogen der Kriminalität so hoch gehen, sehr erstrebenswert wäre.“
Der Eigentümer dieses Buches, der gelernte Drehergeselle und Stadtschutzwachmann vom Wachzimmer 21., Angererstraße 10, ging nicht zur Kriminalpolizei. Mit 1. Oktober 1926 hat Leopold Neudecker einen Dienstposten der Verwendungsgruppe 2 im Stande der Polizeidirektion in Wien verliehen bekommen. Mit gleichem Tage wurde er Beamter des Hilfsdienstes in der IX. Dienstklasse mit dem ihm auf Grund dieser Einreihung der Titel „Amtsgehilfe der Polizeidirektion Wien“ zuerkannt wurde. Mit 30.9.1930 ist er aus dem Polizeidienst ausgeschieden. Die Kriegsdienstzeit im Aktivstand der bewaffneten Macht der ehemaligen österreichisch/ungarischen Monarchie von 1915 bis 1918 hatten schwere gesundheitliche Probleme hinterlassen. Er starb am 16.9.1959 im Krankenhaus Floridsdorf im 64. Lebensjahr.
Josef Rohaczek

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