Sturheit kann auch Rückgrat sein ...


   
   

 

       

Porträt

Die Wahrheit ist zumutbar

Hermann Klammer, Leiter des Landeskriminalamts Kärnten, erhielt den Kriminalistenpreis 2009 für sein Lebenswerk. Fast 30 Jahre lang versah er Kriminaldienst in Kärnten – 11 Jahre als Stellvertreter, 19 Jahre als Leiter der Kärntner Kripo.

Du musst raus aus dem Büro, hin zum Tatort – am Schreibtisch gibt es auch für dich als Leitenden nichts zu holen“, riet Oberst Egon Payer dem jungen Oberleutnant Hermann Klammer1980. Klammer war ihm unmittelbar nach dem Offizierskurs als sein stellvertretender Leiter der Kriminalabteilung zugeteilt worden. „An seine Maxime habe ich mich bis zum Schluss gehalten“, betont Klammer. Er war in seiner Zeit bei fast allen – zumindest bei den größeren – Straftaten in Kärnten am Tatort. So auch am 19. Dezember 1991.

Die Entführung Ragger. An diesem Morgen, kurz nach sechs Uhr, fuhr der damals 26-jährige Günther Ragger mit seinem Firmenwagen, einem Ford Transit, von seinem Haus im abgelegenen Feistritzgraben in Richtung Wolfsberg. Ragger arbeitete dort bei einem Elektroinstallateur. Er war der Bruder von Ingrid Ragger, die kurz zuvor dem 61-jährigen Milliardär Dr. Friedrich Karl Flick angetraut worden war. Ingrid Ragger war um 30 Jahre jünger als Flick. Sie stammte aus einfachen Verhältnissen in Kärnten; ihr Vater war Zimmermann. Flick hatte sie in einem Arlberger Hotel kennen gelernt, wo sie als Rezeptionistin gearbeitet hatte.
Die Fahrbahn war an diesem 19. Dezember 1991 schneebedeckt. In der Nacht hatte es ein wenig Neuschnee gegeben. Die Straße, die teilweise durch einen Wald führte, war relativ gut geräumt, aber durch den Schnee am Fahrbahnrand im Prinzip einspurig.
Kurz vor Bad St. Leonhardt blockierte ein weißer Kastenwagen, ein Fiat Ducati, mit abgedunkelten Fenstern die Weiterfahrt. Ragger hielt seinen Wagen an. Vor ihm standen zwei Männer mit gezogenen Pistolen. Sie verlangten in gebrochenem Deutsch von ihm, aus seinem Fahrzeug auszusteigen und in ihren Kastenwagen zu wechseln. Er musste sich auf die Ladefläche hocken, er wurde an Händen und Füßen gefesselt, die Augen wurden ihm verbunden, der Mund zugeklebt.
Einer der Entführer nahm im Ford Transit Raggers hinter dem Lenkrad Platz. Sein Komplize lenkte den Fiat Ducati.
Die Männer fuhren mit ihrem Opfer nach Bad St. Leonhardt, die nächste Gemeinde auf der Strecke nach Wolfsberg. Am Hauptplatz der Marktgemeinde stellten sie den Ford Transit Günther Raggers ab und verschwanden vorerst spurlos von der Bildfläche.
Ragger war normalerweise ein zuverlässiger Arbeiter. Schon bald stellte jemand aus dem Installateurgeschäft Nachforschungen an, wo er denn geblieben sei. Ragger war am Tag zuvor noch krank gemeldet, hatte aber versichert, am 19. Dezember wieder zur Arbeit zu erscheinen.
Schon bald ging bei der Lebensgefährtin Günther Raggers der erste Anruf der Entführer ein. Einer von ihnen verlangte die Telefonnummer Raggers Schwagers, des Milliardärs Friedrich Karl Flick. Raggers Lebensgefährtin musste selbst erst im Telefonbuch nachsehen.
Wenig später läutete in München das Telefon bei Friedrich Karl Flick. Ein Angestellter hob ab. Einer der Entführer wollte gar nicht erst auf Herrn Doktor Flick warten und forderte: „Zehn Millionen. Zehn Millionen Mark, oder Herr Doktor Flick hat den Bruder seiner Frau auf dem Gewissen.“ Wenig später durfte Günther Ragger kurz mit seiner Lebensgefährtin telefonieren, zum Beweis, dass er noch am Leben war und sich in den Händen der Geiselnehmer befand.

Gendarmerieposten Bad St. Leonhardt. Etwa zu diesem Zeitpunkt befand sich Hermann Klammer mit den Beamten der Gruppe „Leib/Leben“ der Kriminalabteilung Kärnten im Gendarmerieposten Bad St. Leonhardt.
„Auf einen solchen Fall waren wir nicht eingestellt“, erinnert sich Klammer. „Ein System an Verhandlungsgruppen hat es damals noch nicht gegeben. Die Kommunikation war weit nicht die, die wir heute haben.“ Klammer errichtete in Bad St. Leonhardt eine Einsatzzentrale. Er informierte laufend Sicherheitsdirektor Dr. Adolf Pichler, nicht aber das Innenministerium – was ihm später vorgehalten wurde.
Die Kärntner Kriminalisten fanden Hinweise auf drei Männer, die in der Nacht vor der Entführung in einer Bad St. Leonhardter Pension abgestiegen waren. Sie waren mit einem Land Rover mit Münchner Kennzeichen unterwegs sowie mit einem weißen Fiat Ducati-Kastenwagen mit Kennzeichen aus Graz Umgebung, ein Mietauto aus Graz-Seiersbach, wie sich später herausstellte.
Später stellte sich weiters heraus, das Entführertrio hätte Günther Ragger bereits am Vortag entführen wollen. Doch an diesem Tag hatte das spätere Opfer das Haus wegen einer kurzen Erkrankung nicht verlassen.

Erste gescheiterte Lösegeldübergabe. Die Lösegeldübergabe sollte noch am Abend des Entführungstags stattfinden, und zwar in Salzburg. Umgehend stellte die Familie Flick die Summe von zehn Millionen D-Mark (fünf Millionen Euro) in zwei Sporttaschen zur Verfügung. Manfred Dürager, Leiter der Kriminalabteilung Salzburg, holte das Geld persönlich aus München ab.
Bei der ersten Lösegeldübergabe in einer Salzburger Pizzeria blieb es beim Versuch. Daraufhin wurde der Geldbote angewiesen, in einen Zug einzusteigen, einen IC in Richtung Wien.
Die ganze Zeit über waren die Entführer in der Nähe der Kriminalbeamten, die das Geld in den beiden Sporttaschen mit sich herumtrugen. Der Grazer Gerhard M., der Auftraggeber und Kopf der Entführer, reiste in einem Land Rover, ausgestattet mit Mobiltelefon – damals noch lange nicht Standard. Seine beiden kroatischen Auftragstäter fuhren mit dem Entführungsopfer im Laderaum in dem Fiat Ducati herum.
In Salzburg wurde einem der Kroaten der Boden zu heiß. Er setzte sich von dem Trüppchen ab und flüchtete in seine Heimat. Gerhard M. und der verbleibende Komplize wollten die Sache durchziehen.
Sie verlangten von den Lösegeldüberbringern, die Geldtaschen aus dem fahrenden Zug zu werfen. Doch die Fenster der klimatisierten Garnitur ließen sich nicht herunterziehen. Auch die Türen konnte nur der Lokführer vom Führerstand aus öffnen. In Attnang-Puchheim (OÖ) kam der Befehl der Entführer an die Polizisten mit den Geldtaschen auszusteigen.
Die Beamten sollten das Geld einem Taxifahrer ins Auto stellen und ihn nach Vöcklabruck schicken. Der Mann fuhr los, bekam es aber mit der Angst zu tun und kehrte um. Die Lösegeldübergeber setzten die Reise auf Geheiß der Entführer nach Wien fort.

Kärntner Aufregung in Wien. In Wien sorgten zwei Kärntner Kriminalisten in einem Fahrzeug mit Laibacher Kennzeichen kurzfristig für Aufregung. Observationskräften der Wiener Polizei waren sie nicht gemeldet worden. Sie hatten sich entgegen der Weisung verhalten, sich nicht von den Salzburger Kollegen zu entfernen. „Sicher nicht richtig – da ist mit ihnen das Jagdfieber durchgegangen, was aber auch verständlich ist“, sagt Hermann Klammer.
Die nächste Lösegeldübergabe am Freitagnachmittag am Wiener Westbahnhof scheiterte neuerlich. Ein paar Stunden später war es endlich soweit. Vierzig Stunden nach seiner Entführung in Kärnten stand Günther Ragger in der Eingangshalle eines Wiener Hotels und sagte: „Ich bin das Entführungsopfer von Kärnten, bitte holen sie die Polizei.“
Als diese von der Freilassung des Mannes erfuhr, schlugen Beamte zu. Der Kroate wurde verhaftet, das Tatfahrzeug sichergestellt – ebenso die Erpressungsbeute. Allerdings fehlten zu diesem Zeitpunkt bereits 30.000 D-Mark. (15.000 Euro). Diese hatte das „Mastermind“ der Gruppe Gerhard M. entnommen. Er war damit in Richtung München unterwegs. Dort bestieg er ein Flugzeug in Richtung USA und setzte sich nach Miami ab.
Der verhaftete Kroate war recht bald geständig: Gerhard M. hatte das Entführungsduo wenige Wochen vor der Tat am Grazer Hauptbahnhof kennen gelernt und angeheuert. Die beiden Kroaten hatten sich zu diesem Zeitpunkt als Kriegsflüchtlinge in Österreich aufgehalten.
Jener Entführer, der sich in Salzburg von seinen Mittätern entfernt hatte, war einen Tag später in seiner Heimat betrunken in eine gefährliche Drohung mit Schusswaffen verwickelt. So musste er aus seinem Land flüchten – zurück nach Österreich. Er versuchte sein Glück dort, wo ihn dereinst Gerhard M. angeheuert hatte, am Grazer Hauptbahnhof. Dort wurde er wenige Tage nach der Entführung festgenommen. Gerhard M. wurde Wochen später in Miami verhaftet und nach Österreich ausgeliefert.
Für die Entführer endete die Angelegenheit im Gefängnis – bitter. Für die Kärntner Kriminalisten mit einem bitteren Beigeschmack. Im Jänner 1992 wurden alle Beteiligten nach Wien in das Innenministerium eingeladen. Es wurde ihnen ein Evaluierungsbericht vorgelegt. „Es war halt eine Kopfwäsche für uns Kärntner“, schildert Klammer. Mit „uns“ waren er und Sicherheitsdirektor Dr Pichler gemeint. Klammer wurde vorgeworfen, das Innenministerium nicht rechtzeitig verständigt zu haben. Er habe außerdem ignoriert, dass der Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit die Amtshandlung übernommen habe und habe weiterhin eigenmächtig gehandelt.
Klammer reichte die involvierten Beamten seines Bereichs zur Belobigung ein. „Alle sind geehrt worden damals, die Salzburger, die Wiener, die Grazer – nur keiner von uns Kärntnern“, erinnert sich Klammer. „Ich habe alle Beamten eingereicht, selbstverständlich außer mich, aber kein Kärntner hat damals Dank und Anerkennung von der Generaldirektion erhalten, nur, weil ich einen Fehler gemacht habe – angeblich.“

Kriminalpolizeiliches Neuland. Klammer hatte bis zu seiner Ausmusterung aus dem damaligen W1-Kurs 1980 mit Kriminalpolizeilichem kaum etwas zu tun gehabt. Am 1. August 1970 war er in die Gendarmerie eingetreten und hatte nach der Gendarmerie-Grundschule bis 1977 am Gendarmerieposten Obervellach im Kärntner Mölltal gedient. „Wir waren eher durch die Tauernschleuse bekannt“, schildert Hermann Klammer. Den Tauerntunnel gab es damals noch nicht – er war gerade in Bau. Die Nord-Süd-Hauptverbindung war eine Bundesstraße. Sie war oft überlastet und höchst unfallträchtig.
In den rund fünf Jahren seiner „Postenzeit“ musste er etliche tödliche Verkehrsunfälle aufnehmen. Die Bundesstraße war mit heutigen, gut ausgebauten Verkehrsverbindungen nicht vergleichbar. Die Fahrzeuge hatten nicht den Standard von heute. Es war die Zeit, als die Gurtenanlegepflicht jung war. Airbags gab es keine. Die Notfallmedizin war weit nicht das, was sie heute ist.
Wenn etwas los war im Rayon des Gendarmeriepostens Obervellach, und es war kein Verkehrsunfall – dann war es eine Wirtshausrauferei. „Da hat es öfter noch gekracht in den Gasthäusern“, erinnert sich Klammer. Mehr als einmal mussten die Beamten aus Obervellach den Knüppel aus dem Sack holen.

Erfahrene Kriminalbeamte. „Die erste Zeit in der Kriminalabteilung habe ich nur beobachtet“, sagt Hermann Klammer. „Ich habe den erfahrenen Kriminalbeamten zugesehen und ihnen zugehört. Da habe ich viel Positives mitgenommen.“ Der Kontakt zu den Kriminalisten sei sein wichtigster „Lehrherr“ gewesen. „Auch heute noch höre ich mir die Sicht der Kolleginnen und Kollegen an.“
Wenn er sich dann eine Meinung gebildet habe, sei er nur schwer davon abzubringen. „Ich weiß, das legt man mir manchmal als Sturheit aus – ich sehe es als Geradlinigkeit und bin damit eigentlich immer gut gefahren.“ Selbst Landespolizeikommandant Wolfgang Rauchegger sprach in seiner Festrede zum Kriminalisten-Award „Lebenswerk“ diese „Geradlinigkeit“ an. „Natürlich ist man als Vorgesetzter nicht bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern beliebt – Hermann Klammer ist aber eines auf jeden Fall: Er ist von allen stets respektiert “, betonte der Landespolizeikommandant.

Rückgrat. Mag. Alfred Ellinger, Präsident der Vereinigung österreichischer Kriminalisten, betonte: „Sturheit kann auch Rückgrat sein und einen Menschen adeln.“
„Ich habe immer auch Unangenehmes angesprochen, weil ich meine, nach einer Amtshandlung oder auch nur nach einem Gespräch darf nichts unausgesprochen stehen bleiben“, erklärt Klammer. Das vergifte auf Dauer die Atmosphäre. „Ich habe auch immer den Leuten gesagt: Besprechts das, lassts nichts offen. Und seid ehrlich miteinander, denn die Wahrheit ist jedem zumutbar.“
Im Gegenzug sei es ihm wichtig, den Kolleginnen und Kollegen den Rücken frei zu halten und zum Beispiel der Sicherheitsdirektion gegenüber das „Schutzschild“ zu sein. „Ich weiß, Kriminalbeamte brauchen Freiräume – die habe ich immer versucht, ihnen zu verschaffen.“
Auch wenn sein Motto „Wahrheit ist zumutbar“ im Kern etwas Wahres an sich hat – nicht jeder will es akzeptieren, schon gar nicht, wenn er Innenminister ist. So trug es sich zu, dass Hermann Klammer einst für drei Monate (es waren letztendlich nur 4 Wochen) nach Wien beordert wurde – zum „Nachdenken“.

Wozu nachdenken? Im Frühjahr 1994 kam es, dass Kärntner Schüler in Serie wegen Drogenmissbrauchs angezeigt wurden. Medien, Schulen und die Öffentlichkeit gerieten in Wallungen – ebenso die Kärntner Landespolitik. Schließlich stand die Landtagswahl bevor. In St. Veit/Glan wurde ein Krisengipfel der Schulen einberufen, die Polizei wurde dazu eingeladen. Als der ORF einen Interviewpartner für einen Bericht über das Gipfeltreffen suchte, fiel die Wahl auf Hermann Klammer. „Ich habe nicht die Hand gehoben und gesagt, ich möchte' was sagen – ich habe den Auftrag bekommen, ein Interview zu geben“, betont Oberst Klammer. In dem Radiogespräch sagte er unter anderem: In fast jeder Kärntner Schule habe es einen angezeigten Schüler gegeben, „und das hat gestimmt“, setzt Klammer heute nach.
Ein wahres Wort, gelassen ausgesprochen. Die Wogen gingen haushoch. Klammer schaffte es auf die Titelseite der Kleinen Zeitung. Doch der Ruhm sollte kein glorreicher sein.
„Der Klammer braucht nicht zu glauben, dass er jemals noch was wird“, vernahm Klammer „über drei Ecken aus Wien“.
Zu diesem Zeitpunkt war er seit drei Jahren Leiter der Kärntner Kriminalabteilung. Der oberste Kriminalitätsbekämpfer aus dem südlichsten Bundesland wurde für drei Monate in das Innenministerium dienstzugeteilt – und zwar dem Gendarmeriezentralkommandanten höchstpersönlich. „Es war kabarettreif“, sagt Klammer heute. Die Spitze des Zynismus: Hermann Klammer erhielt den Auftrag, ein Konzept für „Suchtprävention im Schulbereich“ zu erarbeiten. In Zusammenarbeit mit verschiedenen internen und externen Stellen ging er zu Werke und erstellte ein ausführliches Papier. Danach kehrte der Gerügte und – hoffentlich – Geläuterte wieder zurück nach Klagenfurt.
Was aus seinen Suchtpräventionsplänen geworden ist? „Keine Ahnung. Wahrscheinlich im Rundordner abgelegt und sanft entschlummert“, sagt Klammer. „Es war eine reine Disziplinierungsaktion.“

Die Braven sollen nicht die Dummen sein. „Bei dem einen oder anderen gelte ich vielleicht als streng“, sagt der Leiter des Landeskriminalamts Kärnten. „Ich habe halt immer versucht, die Mannschaft zusammenzuhalten und drauf geschaut, dass nicht diejenigen, die hackeln, die Dummen sind.“ Jeder erhalte grundsätzlich einen Vertrauensvorschuss bei ihm – doch wer ihn missbrauche, müsse mit seinem Widerstand rechnen. Dabei nehme er auch stets die Gruppenführer in die Pflicht. „Sie sind in einer Vorgesetztenrolle und haben damit Verantwortung zu tragen.“
Zweimal pro Jahr gibt es im Kärntner Landeskriminalamt ein Fest – ein Grillfest im Sommer, eine Weihnachtsfeier im Winter. „Das ist ein bescheidener Beitrag, aber wichtig“, erklärt Klammer. „Der Friede fängt in der Familie an.“ Wenngleich es heute immer schwieriger werde, die Beamtinnen und Beamten zu motivieren.
Der Kriminaldienst ist für Hermann Klammer nicht erst seit gestern Teamarbeit. „Der Einzelkämpfer hat schon lange zu meiner Zeit der Vergangenheit angehört“, erläutert er. In vielen Bereichen des Kriminaldienstes sei Spezialwissen gefragt. „Es gibt heute keinen, der alles weiß.“
In Klammers Anfangszeiten als Kriminalist galt ein Kriminalbeamter dann als „guter Kriminalbeamter“, wenn er sich einen Namen als Vernehmungstechniker gemacht hatte. „Ein Geständnis war die Krönung jeder Aufklärungsarbeit“, erinnert sich der LKA-Leiter.
Heute scheint es, als wäre der automatische Widerruf eines Geständnisses zu Beginn der Hauptverhandlung in der Strafprozessordnung verankert. „Der Sachbeweis hingegen bleibt bestehen.“ Das sei der Grund dafür, warum sich die Polizei der Naturwissenschaften in einem Ausmaß bediene wie heute.
Mit Ende Mai 2010 geht Hermann Klammer in Pension. Er hatte bereits 2009 eine schwere Herzklappenoperation. „Damit ist vorprogrammiert, was ich in der Pension machen werde: Viel Bewegung in der frischen Luft, wandern, Radfahren und schwimmen.“ Das stärkt angeblich das Rückgrat noch mehr.