Magazin

Forschung
Unordnung macht uns unredlich

Ist es schwieriger, in einer ordentlichen Umgebung der Verlockung eines Fünf-Euro-Scheins zu widerstehen? Dieser Frage gingen kürzlich Wissenschaftler der Universität Groningen in Holland nach. Sie deponierten einen Fünfer in einem Fensterkuvert und steckten es in einen Postkasten, so dass Kuvert samt Inhalt sichtbar waren. Danach legten sie sich auf die Lauer und warteten, was passiert.
In einem Fall war der Postkasten mit Graffiti bemalt, in einem anderen hatten die Forscher in die Umgebung des Postkastens zerknülltes Papier, Apfelputzen und anderen Müll und Abfall achtlos weggeworfen.
In der vermüllten Umgebung steckten 25 Prozent der Passanten das Kuvert samt Inhalt nach einem diebischen Blick in die eigenen Taschen. Beim graffitibeschmierten Postkasten hatten 27 Prozent keine Hemmungen, den Schein einzustreifen. In der „Kontrollbedingung“, in der „ordentlichen Umgebung“ nahmen nur 13 Prozent Kuvert und Geld an sich.
Das Ergebnis entsprach einer Reihe anderer Experimente, bei denen es darum gegangen war, zu sehen, wie sich die Ordnung einer Umgebung auf die Bereitschaft von Menschen auswirkt, Normen zu verletzen. In einem Versuch in einer Parkgarage klemmten die Forscher Weihnachtswünsche eines Kaufhauses hinter die Scheibenwischer der geparkten Fahrzeuge. Deutlich sichtbar hing über dem Ein- und Ausgang der Garage ein Schild mit der Aufschrift: „Lassen Sie bitte Einkaufswagen nicht in der Garage stehen.“
Standen mehrere Einkaufswagen in der Garage herum, warfen deutlich mehr Autofahrer die hinterlegten Weihnachtswünsche einfach weg.

Jugendgewalt
Cyberbullying selten, aber massiv

Cyberbullying“ ist im Vergleich zu anderen Mobbingformen noch selten. Das „Cyberbullying“ geschieht in Form von Drohungen, Beschimpfungen per SMS in Chat­rooms, auf Internetseiten oder in anderen Netzwerken oder durch den Ausschluss aus diesen Netzwerken.
Die Wiener Bildungspsychologinnen Univ.-Prof. Dr. Christiane Spiel, Dr. Dagmar Strohmeier und Dr. Petra Gradinger befragten über 700 Schüler über ihre Erlebnisse mit „Cyberbullying“. Acht Prozent der Burschen und drei Prozent der Mädchen gaben an, schon einmal jemanden durch „Cyberbullying“ bedroht, beschimpft oder verunglimpft zu haben. Bei den Opfern gab es keine geschlechtsspezifischen Unterschiede. Ihr Anteil betrug bei Mädchen und Burschen gleichermaßen je sieben Prozent.
Die Forscherinnen attestierten den „Cyberbullies“ auffallende Aggressivität. Ihre Opfer hatten auch schon andere Formen des Mobbings erlitten. Sie kämpften als Folge der Ausgrenzung oft mit Depressionen und körperlichen Reaktionen.

Raubüberfälle
Trafiken mit Alarmanlagen sichern

ALTRA“ taufte die Stadt Wien ihre neue Förderaktion „ALarmanlagen für TRAfiken“. „Diese Aktion ist eine Soforthilfe durch die Stadt Wien für die Wiener Trafikanten“, sagt Stadträtin Mag. Renate Brauner. Die Stadt Wien fördert den Kauf einer neuen Alarmanlage mit 50 Prozent der Anschaffungskosten bis maximal 1.000 Euro.
Die Alarmanlagen müssen bestimmte technische Kriterien erfüllen. Festgelegt und geprüft werden diese Kriterien durch den Wiener Wirtschaftsförderungsfonds (WWFF). Die Förderung ist als Pilotprojekt bis Ende 2010 befristet, um die notwendigen Investitionen zur Erhöhung der Sicherheit möglichst rasch umsetzen zu können. Zusätzlich sollten sich alle Wiener Trafikanten nach Kontaktaufnahme mit dem WWFF von der Polizei kriminalpolizeilich beraten lassen.
Anlass für die Förderaktion war eine Reihe von Überfällen auf Trafiken Anfang des Jahres. Ein Trafikant erschoss den Räuber im Geschäft. Der Räuber hatte lediglich mit einer Schreckschusspistole gedroht.

Einbruch
Förderungen für Einbau von Gebäudeschutz

Gegen steigende Einbruchszahlen will das Land Niederösterreich mit der Erhöhung von Förderungen für den mechanischen Gebäudeschutz vorgehen: Der Zuschuss für den Einbau von Sicherheitstüren und Sicherheitsfenstern ab Schutzklasse 2 wird rückwirkend mit Jahresbeginn verdoppelt und beträgt bis zu 4.000 Euro. Auch Alarmanlagen und Video­überwachungen werden weiterhin bis zu 2.500 Euro gefördert.
Die Aktion „Sicheres Wohnen“ läuft seit Anfang 2006. Die Zahl der Anträge stieg bis 2009 von anfänglich 2.600 auf über 7.600. Insgesamt wurden laut Landeshauptmannstellvertreter Dr. Wolfgang Sobotka bisher 5,7 Millionen Euro an Förderungen ausbezahlt und rund 24.000 Haushalte aufgerüstet.
Neben den finanziellen Zuschüssen soll eine Kampagne zum Thema gestartet werden. Ab März 2010 soll in den zehn Bezirken, die am stärksten von Einbrüchen betroffen sind, die Aufklärungsarbeit verstärkt und die Gemeinden in Fragen der Siedlungsentwicklung beraten werden.


Spendenaufruf
Verletzter Wiener Polizist braucht Hilfe

Der am 12. Jänner 2010 von einem Flüchtenden angeschossene Polizist aus dem Wiener Stadtpolizeikommando Josefstadt braucht Hilfe. Er hatte versucht, in Wien Ottakring einen Autofahrer anzuhalten, der bei Gelb über eine Kreuzung gefahren war. Nach einer Verfolgung hielt der Fliehende an, sprang aus dem Wagen und setzte die Flucht zu Fuß fort. Der 26-jährige Inspektor verfolgte ihn. Nach einigen Metern drehte sich der Gejagte um und schoss zweimal auf den Polizisten. Dieser erlitt einen Knieschuss; ein Projektil steckt immer noch in einem Rückenwirbel.
Verdienstentgang und Therapie. Der Polizist wird einen deutlichen Verdienstentgang erleiden. Aller Voraussicht nach wird er aufwendige Therapien benötigen, für die die Krankenkassa teilweise nicht aufkommt. Er ist Alleinverdiener und Vater zweier Kinder (drei Jahre und sechs Monate alt). Seine Ehefrau ist noch im Karenzurlaub.
Trotz aller sozialen Netzwerke könnte die Tat die junge Familie in finanzielle Nöte bringen. Um dem entgegenzuwirken, wurden zwei Spendenaktionen ins Leben gerufen:
• Der Klagenfurter Polizist Theo Kelz, selbst Opfer eines Briefbombenattentats, hat einen Fonds für im Dienst verletzte Polizisten eingerichtet: Kelz-Hilfswerk für Exekutivbeamte, Spendenkonto: Raiffeisenkassa St. Urban, Bankleitzahl: 39505, Kontonummer: 9514.
• Die Gewerkschaft der Polizei, Betriebsausschuss des Stadtpolizeikommandos Josefstadt, hat ein Spendenkonto für den Kollegen eröffnet: BAWAG, Bankleitzahl: 14000, Kontonummer: 02320-065-790.

Überwachung
Jeder Vierte am Arbeitsplatz überwacht?

und 25 Prozent der Arbeitnehmer gehen davon aus, dass sie ihr Arbeitgeber überwacht und kontrolliert. Vier Prozent schlie­ßen eine Überwachung aus. Zwei Drittel sprechen sich für ein gesetzliches Überwachungsverbot am Arbeitsplatz aus.
Das zeigt eine Umfrage der Arbeiterkammer Oberösterreich unter 600 Mitgliedern. Fast die Hälfte der Beschäftigten, die sich überwacht fühlen, nehmen an, dass ihre E-Mails und die Inter­netnutzung kontrolliert werden. 36 Prozent vermuten eine kontinuierliche Beobachtung während der Arbeitszeit durch Vorgesetzte. 30 Prozent nehmen an, Arbeitskollegen plaudern Informationen über sie aus.
Nur 30 Prozent in Betrieben mit mehr als 500 Beschäftigten denken, sie werden „sicher nicht“ überwacht. In Betrieben mit bis zu 20 Mitarbeitern sind 51 Prozent überzeugt, dass sie frei von virtueller Kontrolle seien.
Zwei Drittel der Beschäftigten in Oberösterreich sind der Meinung, dass derartige Überwachungen in letzter Zeit „stark“ oder „etwas“ zugenommen haben. Nur 17 Prozent glauben, dass die Überwachung nicht ausgeweitet worden ist.